Erhalt & Stärkung der Ehrenamtskultur

  • „Die wichtigsten Dinge im Leben lassen sich mit Geld nicht kaufen: Liebe, Gesundheit, Familie, Freundschaft und das Ehrenamt. Bürgerschaftliches Engagement hat viele Gesichter. Ob in der unmittelbaren Nachbarschaft oder in der Gemeinde, ob im Verein oder in der Kirche, ob in vielfältigen privaten Initiativen, Selbsthilfegruppen oder in den großen Wohlfahrtsverbänden und Rettungsdiensten – überall finden wir gelebte Selbstverantwortung. Diese lebendige Vielfalt ist Ausdruck einer großen Bereitschaft, nicht nur an sein eigenes Fortkommen, sondern auch an das Wohl seiner Mitmenschen zu denken.

Gerade in einer Zeit, in der die Selbstverwirklichung einen höheren Stellenwert als der Dienst am Nächsten zu haben scheint, setzt das im Ehrenamt zum Ausdruck kommende bürgerschaftliche Engagement einen Kontrapunkt und leistet einen unschätzbaren Beitrag für das Gemeinwohl. Jeder ehrenamtliche Einsatz ist ein Zeichen der Solidarität und Selbstverantwortung. Ohne den Einsatz der Ehrenamtlichen wäre unsere Gesellschaft ärmer, wären wir ärmer. Mit ihrem Wirken bilden sie das Rückgrat unserer Gesellschaft und werden zu Vorbildern, wie wir sie in unserer schnelllebigen Welt mit vielen fragwürdigen Idolen dringend benötigen.

Durch das Engagement unserer zahlreichen ehrenamtlich Tätigen entstehen soziale Netze, die für ein menschliches Miteinander unerlässlich sind.

Die ehrenamtliche Arbeit darf aber nicht zum Lückenbüßer werden. Sie kann nicht der Inhalt sein, mit dem die Löcher unseres Staates gestopft werden, der es zunehmend vorzieht alle Aufgaben von oben nach unten durchzureichen, ohne dafür funktionierende Konzepte anzubieten. Ehrenamt ist auch nicht zum reinen Nulltarif zu haben und braucht Anlaufstellen und persönliche Unterstützung, Qualifizierungsangebote und eine Kultur der aufrichtigen Anerkennung und Wertschätzung.“

(Aus der Rede von Karl Ecker zum Ehrenamtsempfang im Januar 2020 in der Hopfenlandhalle Au i. d. Hallertau)

Bekenntnis zum und Unterstützung für das Ehrenamt

Ehrenamts-, Übungsleiterpauschale und Haftungsfragen für Vorstände werden von Vereins- und Verbandsmitarbeiter*innen immer wieder diskutiert. Ehrenamtliche sind vor überzogener Bürokratie zu schützen. Wir erkennen die Leistungen ehrenamtlicher Mitarbeiter*innen an und sehen die Notwendigkeit einer regelmäßigen Anpassung der steuerlichen Entlastungsbeiträge, insbesondere der Ehrenamtspauschale. Wir fordern darüber hinaus, dass ein langjähriges freiwilliges Engagement durch zusätzliche Rentenpunkte honoriert wird. Das Ehrenamt muss auch steuerlich besser gewürdigt werden. Neben finanziellen Aspekten gilt es, die Vereine bei ihrer täglichen operativen Arbeit direkt zu unterstützen. Dabei dürfen nicht nur zivilgesellschaftliche Initiativen im sozialen Bereich im Vordergrund stehen, sondern ebenso der klassische Verein im Sport, in der Kultur, der Musik oder der Brauchtumspflege. Gerade die Verantwortlichen in kleinen örtlichen Vereinen, die ausschließlich auf das ehrenamtliche Engagement ihrer Vereinsmitglieder angewiesen sind, brauchen dringend praktische Hilfe. Ob der örtliche Chor, die Naturschutzgruppe, das Laientheater, der Angelverein, um nur einige zu nennen, viele leiden unter der abnehmenden Bereitschaft, langfristig ehrenamtliche Aufgaben zu übernehmen. Staatliche Unterstützung in Form von hauptamtlich besetzten Anlaufstellen für Ehrenamtliche (Ehrenamtsagenturen) kann die Mitarbeiter*innen von administrativen Arbeiten entlasten und ihnen kompetente Beratung bieten. Darunter fällt z. B. die Beantragung von Fördermitteln und die Beratung in rechtlichen Fragen ebenso wie bei Herausforderungen der Digitalisierung.